Ein Semester in China: Visum, Kosten und Universitäten
17 Mrz 2011von Anke Wibschek
Sie haben sich entschieden? Sie wollen den Schritt in eine völlig fremde Kultur wagen und ein oder mehrere Semester im Reich der Mitte studieren? Ein mutiger Schritt, der gut vorbereitet werden sollte. In diesem Artikel finden Sie hilfreiche Tipps, wie Sie einen Studienaufenthalt in China realisieren können.
Visum für China-Studium beantragen
Ohne ein gültiges Visum können Sie weder als Urlauber noch als Student in die Volksrepublik China einreisen. Deshalb sollten Sie sich rechtzeitig um ein Visum bemühen und zum Konsulatstermin alle erforderlichen Unterlagen bereit haben. Wenn Sie nur ein Semester in China verbringen wollen, benötigen Sie das so gennannte FF-Visum. Es ist für einen Aufenthalt bis zu 180 Tagen gültig. Für Deutsche und andere Staatsangehörige kostet dieses Visum 30 Euro. US-Bürger müssen 115 Euro bezahlen. Die Bezahlung erfolgt, indem Sie im Visumsantragsformular eine Bankverbindung oder eine Kreditkartennummer angeben. Die chinesische Botschaft wird den entsprechenden Betrag nach dem Konsulatsbesuch von Ihrem Konto abbuchen. In Deutschland gibt es vier chinesische Konsulate. Das Konsulat in Berlin nimmt Anträge aus allen Bundesländern entgegen. Die drei anderen Konsulate sind jedoch an bestimmte Bundesländer gebunden:
| Konsulat: | Zuständigkeitsbereich: |
| Frankfurt | Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland |
| Hamburg | Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig- Holstein |
| München | Bayern |
Das Visumsantragsformular und alle zusätzlich erforderlichen Unterlagen müssen persönlich im chinesischen Konsulat abgegeben werden. Anträge per Post werden nicht akzeptiert.
Erforderliche Unterlagen zum FF-Visumsantrag:
- Vollständig ausgefülltes Visumsantragsformular mit aktuellem Passfoto (Für alle Visumsarten gilt dasselbe Formular)
- Reisepass, der noch mindestens ein Jahr gültig ist
- Einladung von der chinesischen Universität
- Nachweis einer Flugbuchung nach China
- Nachweis einer Einschreibung in eine deutsche Hochschule
Falls Sie für zwei oder mehr Semester nach China wollen, benötigen Sie das so genannte X-Visum. Um dieses Visum zu beantragen, sind die gleichen Unterlagen erforderlich wie bei der Beantragung eines FF-Visums. Zusätzlich benötigen Sie allerdings noch ein Gesundheitszeugnis und einen negativen HIV-Test. Bei dieser Visumsart müssen Sie außerdem beachten, dass das X-Visum nur für die Einreise gültig ist. Die vollständige Aufenthaltsgenehmigung muss in China beantragt werden. Dies muss innerhalb von drei Monaten geschehen, ansonsten halten Sie sich illegal in China auf.
Kosten eines China-Studiums
Die Lebenshaltungskosten sind in China im Vergleich zu Europa sehr niedrig. Dies gilt allerdings nur für chinesische Lebensmittel, Produkte und Restaurants. So hat ein Gericht in einem chinesischen Restaurant einen Durchschnittspreis von umgerechnet zwei Euro. Wer importierte Produkte oder ausländische Restaurants wählt, kommt allerdings nicht so günstig weg. Auch die Mieten für Studenten sind vergleichsweise billig. So kostet ein Doppelzimmer in einem Studentenwohnheim umgerechnet 50 bis 150 Euro pro Monat. Die Studiengebühren können allerdings sehr teuer werden.
Wie in vielen Ländern müssen ausländische Studenten in China höhere Studiengebühren bezahlen. Deswegen sollten Sie sich genau über die Studienpreise informieren. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die durchschnittlichen Studiengebühren, die ein Auslandsstudent pro Semester in China zahlen muss.
| Studienrichtung | Studienprogramm | Gebühren in Euro |
| Geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer | Kurzprogramm (1-3 Monate) | 350 |
| Bachelor | 1800 | |
| Master | 2200 | |
| Promotion | 2500 | |
| Naturwissenschaftliche, technische und medizinische Fächer | Kurzprogramm (1-3 Monate) | 430 |
| Bachelor | 2800 | |
| Master | 3500 | |
| Promotion | 3700 |
Da die Gebühren von Hochschule zu Hochschule stark variieren, sollten Sie sich über die Studiengebühr, die Ihre ausgewählte Universität verlangt, vor der Einschreibung informieren. Die deutsche Botschaft aus China hat dazu eine Liste von chinesischen Universitäten, die Studienprogramme für deutsche Studenten anbieten, veröffentlicht. Über diese Liste können Sie die jeweiligen Studiengebühren, die chinesische Hochschulen von Gaststudenten verlangen, erfahren. In China müssen die Studiengebühren vor Beginn des Semesters bar bezahlt werden. Die Bezahlung kann in der chinesischen Währung (Renmin Bi) oder in US Dollar erfolgen. Einige Hochschulen akzeptieren auch den Euro.
Finanzierung des Studiums in China
Da die Studiengebühren je nach Programm und Dauer sehr hoch ausfallen können, sollten Sie versuchen, ein Stipendium zu ergattern. Das Bewerbungsverfahren für Stipendien dauert in der Regel ein Jahr. Deshalb sollten Sie mit den Vorbereitungen der Reise bereits 1 ½ Jahre vorm Studienantritt beginnen. Wem ein Stipendium nicht bewilligt wird oder wem die Wartezeit zu lang ist, kann sein Auslandsstudium auch durch einen Kredit finanzieren. Bevor Sie aber einen Kredit in Betracht ziehen, sollten Sie überlegen, ob Sie sich das Geld nicht von Ihren Eltern oder von Freunden leihen können. So können Sie teure Zinsen einsparen. Wenn Sie um Geld bitten, sollten Sie dem potenziellen Geldgeber genau erklären, wofür Sie das Geld benötigen. Sagen Sie aus welchen Kosten sich die Schuldsumme zusammensetzt und warum Sie den Studienaufenthalt nicht mit weniger Geld realisieren können. Außerdem sollten Sie bereits vor der Geldübergabe mit Ihrem Geldgeber vereinbaren, wie Sie das Geld wieder zurückzahlen. Sie sollten sich überlegen, ob Sie das Geld in Raten oder in einem Betrag zurückzahlen wollen. Seien Sie dabei realistisch und machen Sie keine falschen Versprechungen. Vielen fällt es nicht leicht, Freunde und Verwandte um Geld zu bitten. Doch haben Sie keine Hemmungen, denn wahre Freunde werden Verständnis für Ihre Situation zeigen. Viele Menschen freuen sich, wenn sie anderen Menschen helfen können.
Studentenjobs in China
Falls Sie weder einen Kredit aufnehmen noch Ihre Bekannten anpumpen möchten, können Sie die Kosten des Aufenthaltes auch mit Hilfe eines Studentenjobs in China aufbringen. Die Chancen eines Ausländers auf einen Nebenjob sind in den Metropolen wesentlich größer als in den Provinzstädten. Dies sollten Sie bei der Universitätswahl bereits berücksichtigen. In den Großstädten der Volksrepublik gibt es viele chinesische Unternehmen mit intensiven Kontakten zum Ausland. Diese Unternehmen suchen oft nach Übersetzern. Oder bewerben Sie sich doch bei einer der vielen deutschen Firmen in China, beispielsweise bei Siemens oder BASF. Das Reich der Mitte ist ein lukrativer Arbeits- und Absatzort für deutsche Firmen. In China sitzen rund 5 300 Unternehmen, die mit deutschem Kapital betrieben werden, und die Zahl wird immer größer. Die Hälfte der Firmen befindet sich übrigens im Umkreis von Schanghai. Oder wie wäre es, wenn Sie an Schulen und Universitäten Nachhilfe in Ihrer Muttersprache anbieten würden? Nachhilfekurse können allerdings nur ein kleines Taschengeld ermöglichen.
Bild: Minghong CC-BY-SA 3.0
Tags: Auslandssemester, China, Nebenjob, Studium, Universitäten, Visum


